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Sprache verstehen

Neben dem Hörenlernen muss das Kind das Gehörte wiedererkennen und einordnen lernen.

 

Dazu 3 Beispiele:

Heute lerne ich Nora und ihren großen Bruder kennen.

Nora ist auf dem Arm der Mutter und - wie ich erfrage - 8 Monate alt.

Als ich auch ihren Namen erfahre, sage ich: "Hallo Nora".

Sofort dreht sich ihr Köpfchen zu mir.

Wunderbar  -  sie hat sich mit ihrem Namen angesprochen gefühlt, kann mit ihrem Namen bereits etwas anfangen und wendet sich mir als dem Sprecher zu.

 

Vor einiger Zeit standen wir in der Nähe von Chamonix auf einem kleinen Bahnhof.

Wir beobachteten ein Kind im Kinderwagen, auch ca. 8 Monate alt. Um die Wartezeit zu verkürzen, gab die Mutter dem kleinen Jungen eine Dose in die Hand. Als er die Dose bewegte, schepperte etwas darin. Er war erstaunt etwas zu hören und schaute zur Mutter. Hatte sie es auch gehört? Dann betrachtete und bewegte er die Dose wieder und schaute wieder zur Mutter. Was die Mutter sagte, konnten wir nicht verstehen, sie war zu weit weg. Kurz drauf hörte er ein Klingelsignal und schaute erstaunt zur Mutter. Diese drehte den Kinderwagen um, sodass er selber die sich senkende Schranke sehen konnte - die Folge des Signals.

Wir beobachteten auf wunderbare Weise die vertraute Art von Mutter und Sohn, mit der sie Höreindrücke und Erlebnisse zu einer gemeinsamen Erfahrung machten.

In der Fachsprache nennt man die gemeinsame Aufmerksamkeit auf einen Gegenstand: Triangulärer Blickkontakt. - Wenn die Mutter zu den Hörerlebnissen noch die Worte: "oh, du hast eine Dose"  oder "schau, eine Schranke" hinzu fügt, hört der Junge die passenden Worte zu den Gegenständen und fügt sie nach mehrmaligem Hören als Einheit in seinem Wortgedächtnis zusammen.

 

Vor längerer Zeit besichtigten wir am Ostersonntagmorgen eine Kirche in Südfrankreich und gerieten in den Ostergottesdienst. Trotz meiner geringen Französischkenntnisse konnte ich die Ostergeschichte in der Predigt grob verfolgen, da ich einige Worte verstand und mir den Rest aufgrund meines Wissens zusammenreimen konnte. Mir wurde sehr bewusst, wie es Kindern geht, die nur einzelne Worte verstehen. Vermutlich wird ihre Konzentration nach kurzer Zeit schwinden - so wie es mir auch erging!

 

Alle drei Beispiele belegen die Notwendigkeit, Gehörtes zu verarbeiten

- das Gedächtnis und Intelligenzleistungen des Gehirns arbeiten Hand in Hand.

Baut das Kind ein Hörverständnis für seine Umwelt auf, erweitert es sein Verständnis für seine Umgebung um die Welt der Sprache und den Sinn von Kommunikation. Schließlich beteiligt es sich selbst an der Kommunikation und beginnt, das Gehörte (Geräusche / Laute / Worte) auch selbst auszusprechen.

 

Das Verstehen von Sprache, d.h. von dem, was der Sprecher gemeint hat, setzt mit ca. 8 Monaten ein. 

 

Das absichtsvolle Sprechen hingegen beginnt später - oftmals mit dem Wort "Mama". 

 

Das Kind lernt das Benennen von Dingen, um etwas zu erlangen oder sein Interesses daran zu bekunden: 

es kennt bereits aufgrund seines Sprachverstehens viele Worte aus seiner nahen Umgebung und beginnt mit ca. 12 Monaten, einzelne Wörter in einer Situation selbst zu sagen.

 

Theda Hiller

 

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